2026-09-26
Tiefenfluoridierung mit Tiefenfluorid: Wirkung und Indikationen

Tiefenfluorid ist ein Zwei-Lösungs-System zur Tiefenfluoridierung: Die fluorosilikathaltige Touchierlösung und die anschließend aufgetragene Calciumhydroxid-Lösung reagieren direkt im Schmelz und in den Dentintubuli miteinander. Dabei entstehen abrasionsgeschützte Calcium- und Magnesiumfluorid-Kristalle. So bildet sich ein langanhaltendes Fluorid- und Calciumdepot. Der Hersteller Humanchemie (Deutschland) sieht das Produkt für die Desensibilisierung von Zahnhälsen, die mineralische Fissurenversiegelung und die Kariesprophylaxe vor – auch bei Patienten mit Brackets.
Was unterscheidet die Tiefenfluoridierung von der herkömmlichen Fluoridierung?
Bei der konventionellen lokalen Fluoridierung (Lacke, Gele, Lösungen) verbleiben die Fluoridverbindungen überwiegend auf der Zahnoberfläche. Tiefenfluorid funktioniert anders: Die Reaktion findet nicht an der Oberfläche statt, sondern tiefer – in der Schmelzstruktur und in den Dentintubuli. Die dort ausgefällten Kristalle sind vor Abrasion geschützt; der Hersteller betont deshalb die langanhaltende Depotwirkung. Nach der Behandlung bleiben mit bloßem Auge nicht sichtbare Präzipitate zurück, die Ästhetik wird also nicht beeinträchtigt.
Zusammensetzung und Wirkprinzip
- Touchierlösung (erste Lösung): Magnesiumhexafluorosilikat, Natriumfluorid (Stabilisator), destilliertes Wasser.
- Nachtouchierlösung (zweite Lösung): hochdisperses Calciumhydroxid, Methylcellulose, destilliertes Wasser.
Die erste Lösung dringt in den Schmelz und die Dentintubuli ein, die zweite reagiert mit ihr – es bilden sich feinste Calcium- und Magnesiumfluorid-Kristalle. Dank ihrer geringen Viskosität gelangen die Lösungen gut in Approximalräume, um Brackets herum und an andere schwer zugängliche Stellen.
Indikationen und Wiederholungsintervalle
Humanchemie nennt folgende Anwendungsbereiche und Wiederholungsschemata:
| Indikation | Wiederholung laut Hersteller |
|---|---|
| Empfindliche Zahnhälse (Desensibilisierung) | 1–2 Wiederholungen im Abstand von 8–14 Tagen, danach 1–2-mal jährlich |
| Mineralische Fissurenversiegelung | Wiederholung nach 8–14 Tagen, danach 2-mal jährlich |
| Kariesprophylaxe, auch an schwer zugänglichen Stellen | Mindestens 1-mal jährlich |
| Patienten mit Brackets | Mindestens 2-mal jährlich |
Laut Hersteller kann das Produkt außerdem zur Reduktion von White Spots beitragen.
Ablauf der Behandlung
- Zahnoberfläche reinigen und relativ trockenlegen.
- Mit einem Wattepellet oder Pinsel sorgfältig die Touchierlösung auftragen.
- Nicht spülen – sofort mit einem neuen Wattepellet oder Pinsel die Nachtouchierlösung auftragen.
- Erst danach mit Wasser spülen.
- Der Patient darf sofort essen und trinken – keine Wartezeit, keine Aushärtung erforderlich.
Tiefenfluorid, balance oder junior?
- Tiefenfluorid – die klassische Variante ohne Duftstoffe; laut Hersteller besser geeignet für Allergiker.
- Tiefenfluorid balance – die Nachtouchierlösung enthält zusätzlich Kupferverbindungen. Nach Angaben des Herstellers neutralisieren sie das schwach saure Entzündungsmilieu und wirken antibakteriell. Die Variante ist daher für Patienten mit erhöhtem Parodontitisrisiko oder Anzeichen einer Gingivitis gedacht.
- Tiefenfluorid junior – mit Xylit und natürlichem Erdbeeraroma, zuckerfrei; die Fluoridkonzentration entspricht dem klassischen Tiefenfluorid. Für Kinder sowie Erwachsene, denen der Geschmack der klassischen Lösung nicht zusagt.
Alle drei Varianten sind als Set mit 5 ml + 5 ml (Probierpackung) oder 20 ml + 20 ml erhältlich. Die Preise inkl. MwSt. finden Sie auf der Produktseite.
Welche Packungsgröße?
Das Set mit 5 ml + 5 ml eignet sich, wenn Sie die Tiefenfluoridierung in Ihrer Praxis gerade einführen oder mehrere Varianten testen möchten, etwa die klassische und die junior-Variante. Das Set mit 20 ml + 20 ml ist für Praxen gedacht, in denen die Behandlung regelmäßig durchgeführt wird – in der Kieferorthopädie, Kinderzahnheilkunde oder Prophylaxe. Humanchemie liefert die Nachtouchierlösung auch separat zum Nachfüllen des Tiefenfluorid-Systems. Orientieren Sie sich bei der Wahl der Variante an Ihrem Patientenstamm: Behandeln Sie viele Kinder, lohnt sich junior; bei vielen Patienten mit Parodontalproblemen balance.
Tiefenfluoridierung oder Fluoridlack?
Ein Fluoridlack wie Vericom V-varnish Premium wirkt anders: Er hinterlässt auf dem Zahn einen transparenten Film, der an der Zahnoberfläche haftet und Fluorid freisetzt. Beide Produkte werden zur Reduktion von Überempfindlichkeiten und zur Kariesprophylaxe eingesetzt, unterscheiden sich aber in Darreichungsform und Arbeitsablauf.
| Kriterium | Tiefenfluorid (Humanchemie) | V-varnish Premium (Vericom) |
|---|---|---|
| Darreichungsform | Zwei Lösungen, nacheinander aufgetragen | Lack in Einzeldosen à 0,4 ml mit integriertem Pinsel |
| Wirkstoffe | Magnesiumhexafluorosilikat und Natriumfluorid + Calciumhydroxid | 5 % Natriumfluorid, Tricalciumphosphat (TCP), Xylit |
| Wirkort | Kristallbildung in der Schmelzstruktur und in den Dentintubuli | Transparenter Film auf der Zahnoberfläche setzt Fluorid frei |
| Nach der Behandlung | Essen und Trinken sofort möglich | Gemäß Gebrauchsanweisung des Herstellers |
| Wiederholung | Je nach Indikation: 1- bis 2-mal jährlich nach der Initialbehandlung | Alle 3–6 Monate je nach Risikogruppe des Patienten |
| Alter | Alle Altersgruppen; für Kinder die junior-Variante | Ab 6 Monaten |
| Packungsgröße | 5 ml + 5 ml oder 20 ml + 20 ml | 5, 50 oder 200 Stk. |
Tiefenfluorid ist die richtige Wahl, wenn eine langanhaltende Depotwirkung tiefer im Gewebe gefragt ist: bei empfindlichen Zahnhälsen, zur mineralischen Fissurenversiegelung, bei Patienten mit Brackets und an schwer zugänglichen Stellen. Ein Fluoridlack ist praktisch, wenn eine schnelle, hygienische Anwendung mit Einzeldosis gewünscht ist – besonders bei Kleinkindern ab 6 Monaten und bei Patienten mit festem Prophylaxe-Recall von 3–6 Monaten. Die endgültige Wahl richtet sich nach dem individuellen Risiko und der Entscheidung des Behandlers.
Für wen sich die Tiefenfluoridierung besonders eignet
- Kieferorthopädische Patienten. Um Brackets herum lässt sich Plaque nur schwer entfernen; die niedrigviskosen Lösungen erreichen diese Stellen. Der Hersteller empfiehlt das Produkt auch zum Schutz der Zähne nach dem Bracketkleben (zum Kleben von Brackets bietet IMMT das Adhäsiv U-Bond Ortho an).
- Patienten mit empfindlichen Zahnhälsen. Die Kristalle lagern sich in den Dentintubuli ab – das Produkt ist daher für die Desensibilisierung vorgesehen.
- Kinder und Jugendliche. Mineralische Fissurenversiegelung und Prophylaxe; die junior-Variante erleichtert die Behandlung dank ihres angenehmen Geschmacks.
- Patienten mit erhöhtem Parodontitisrisiko. Für sie empfiehlt der Hersteller die balance-Variante mit Kupferverbindungen.
Häufige Fehler
- Spülen zwischen den Lösungen. Die zweite Lösung muss mit der ersten reagieren – zwischen beiden darf daher nicht gespült werden.
- Ein Wattepellet für beide Lösungen. Verwenden Sie für jede Lösung ein eigenes Pellet bzw. einen eigenen Pinsel.
- Ausgelassene Wiederholung. Bei Desensibilisierung und Fissurenversiegelung sieht der Hersteller eine Wiederholung nach 8–14 Tagen vor – ohne sie bleibt die Initialbehandlung unvollständig.
Checkliste für die Praxis
- Indikation festlegen: Überempfindlichkeit, Fissuren, Prophylaxe oder KFO-Patient – davon hängt das Wiederholungsschema ab.
- Variante wählen: klassisch (Allergiker), balance (Parodontalrisiko), junior (Kinder, Geschmack).
- Zwei separate Wattepellets oder Pinsel bereitlegen – je eines pro Lösung.
- Nicht vergessen: zwischen den Lösungen nicht spülen, erst nach der zweiten Lösung.
- Termin für die Wiederholung notieren (8–14 Tage bei Desensibilisierung und Fissurenversiegelung).
- Bei Patienten mit Brackets die Behandlung mindestens zweimal jährlich einplanen.
Alle Prophylaxeprodukte finden Sie in der Kategorie Prophylaxe und Fluoridierung, kieferorthopädische Materialien unter Kieferorthopädie. Sie haben Fragen zum Einsatz von Tiefenfluorid in Ihrer Praxis? Kontaktieren Sie IMMT – wir beraten Sie gern.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Tiefenfluoridierung?
Die Behandlung ist kurz: Die beiden Lösungen werden nacheinander ohne Zwischenspülen aufgetragen, anschließend werden die Zähne mit Wasser abgespült. Es ist keine Wartezeit oder Aushärtung nötig, der Patient kann sofort essen und trinken.
Wie oft sollte Tiefenfluorid wiederholt werden?
Laut Hersteller: zur Desensibilisierung 1–2 Wiederholungen im Abstand von 8–14 Tagen, danach 1–2 Mal pro Jahr; bei Fissuren Wiederholung nach 8–14 Tagen, danach 2 Mal pro Jahr; zur Kariesprophylaxe mindestens einmal jährlich, bei Patienten mit Brackets mindestens zweimal jährlich.
Worin unterscheidet sich Tiefenfluorid balance vom klassischen Tiefenfluorid?
Bei balance enthält die zweite Lösung zusätzlich Kupferverbindungen, die laut Hersteller das leicht saure entzündliche Milieu neutralisieren und antibakteriell wirken. Diese Variante ist für Patienten mit erhöhtem Parodontitisrisiko bestimmt.
Ist Tiefenfluorid für Kinder geeignet?
Für Kinder gibt es Tiefenfluorid junior mit Xylit und Erdbeeraroma, zuckerfrei. Die Fluoridkonzentration entspricht der des klassischen Tiefenfluorid.
Bleibt nach der Behandlung eine sichtbare Schicht zurück?
Nein. Laut Hersteller bleiben für das menschliche Auge unsichtbare Präzipitate zurück, daher eignet sich das Produkt auch für Frontzähne.
Wann ist Fluoridlack statt Tiefenfluoridierung die bessere Wahl?
Ein Fluoridlack wie V-varnish Premium eignet sich für die schnelle Prophylaxe mit Einzeldosen, ist für Kinder ab 6 Monaten geeignet und wird je nach Risikogruppe alle 3–6 Monate wiederholt. Die endgültige Wahl hängt vom Risiko des Patienten und der Entscheidung des Behandlers ab.