2026-09-23
Intraoralscanner auswählen – ein Leitfaden für Praxis und Labor

Der Intraoralscanner (IOS) ist heute der Ausgangspunkt des gesamten digitalen Workflows: von der digitalen Abformung über die CAD-Konstruktion bis zum 3D-Druck oder Fräsen. Ein gut gewählter Scanner verkürzt den Behandlungstermin, erhöht den Patientenkomfort und beseitigt die Fehlerquellen konventioneller Abformungen. Ein ungeeigneter dagegen frustriert das Team und landet in der Schublade. Im Folgenden die Kriterien, die im Praxisalltag wirklich zählen.
1. Für welche Indikationen werden Sie scannen?
Einzelkronen, Inlays und Schienen sind das Basisspektrum, das jeder moderne Scanner beherrscht. Ganzkieferscans, implantatgetragene Arbeiten und zahnlose Fälle erfordern Geräte einer höheren Klasse und geeignete Algorithmen zum Zusammenfügen der Einzelbilder. Wenn Sie in Ihrer Praxis implantieren und All-on-X-Versorgungen anfertigen, lohnt sich ein Gerät, das Intraoralscan und Photogrammetrie kombiniert – etwa der Aoralscan Elite, ein 2-in-1-System, das speziell für die Erfassung von Implantatpositionen in zahnlosen Fällen entwickelt wurde.
2. Scangeschwindigkeit und flüssiger Ablauf
Die angegebene Scanzeit pro Kiefer (z. B. ca. 25 s pro Kiefer mit dem Aoralscan 3) sagt einiges aus, wichtiger ist jedoch der flüssige Ablauf: Verliert der Scanner beim Winkelwechsel die Spur, wie kommt er mit Feuchtigkeit und Speichel zurecht, wie oft müssen Sie zu fehlenden Bereichen zurückkehren? Ein Beschlagschutz und ein KI-Assistent, der nicht erfasste Bereiche anzeigt, sparen in der Praxis mehr Zeit als ein Unterschied von wenigen Sekunden im Datenblatt.
3. Genauigkeit – gemessen über den gesamten Prozess
Die Genauigkeit eines Einzelbildes ist das eine, die Reproduzierbarkeit über den ganzen Kiefer das andere. Prüfen Sie, wie der Scanner subgingivale Präparationsgrenzen, Ränder und Kontaktpunkte wiedergibt. Ein guter Test vor dem Kauf: dasselbe Modell mehrmals scannen und die Dateien in der CAD-Software vergleichen – die Streuung zeigt die tatsächliche Reproduzierbarkeit.
4. Kabelgebunden oder kabellos?
Kabellose Scanner wie der Aoralscan 3 Wireless oder der Aoralscan Elite Wireless bieten Bewegungsfreiheit rund um den Patienten und Ordnung am Arbeitsplatz. Voraussetzung sind ein stabiles WLAN und konsequentes Laden: Rund 2 Stunden ununterbrochener Betrieb mit einer Akkuladung reichen für einen typischen Praxistag, bei intensivem Scannen empfiehlt sich jedoch ein zweiter Akku. Die kabelgebundene Version bleibt die einfachste, wartungsfreie Wahl.
5. Offene Dateiformate und Anbindung an das Labor
Der Scanner sollte offene Formate (STL, PLY, OBJ) exportieren, damit das Labor mit jeder beliebigen Software arbeiten kann. Lösungen wie der RAYiOS 2 setzen auf ein offenes Ökosystem und puderfreies Scannen, SHINING 3D-Scanner lassen sich zusätzlich in die Dental Cloud und mit AccuFab-Druckern integrieren. Wenn Sie den 3D-Druck in der Praxis planen, prüfen Sie, ob Scanner, Software und Drucker in einem durchgängigen Workflow zusammenarbeiten.
6. Ergonomie, Scanspitzen und Hygiene
Gewicht (z. B. 240 g beim Aoralscan 3), Balance und Größe der Scanspitze bestimmen den Komfort bei längeren Behandlungen und bei Patienten mit eingeschränkter Mundöffnung. Austauschbare Scanspitzen in zwei Größen (Standard und Mini) sowie die Möglichkeit der Sterilisation im Autoklaven sind Punkte, die beim Vergleich der Kennwerte leicht übersehen werden, im Alltag aber wichtig sind.
7. Software und langfristige Kosten
Achten Sie darauf, ob die Software per Einmallizenz oder im Abonnement angeboten wird und welche Module enthalten sind: kieferorthopädische Simulation, Konstruktion provisorischer Kronen, Modellerstellung. Rechnen Sie zum Gerätepreis Scanspitzen, ggf. einen zweiten Akku, Updates und Teamschulungen hinzu.
Intraoralscanner in der Praxis – womit beginnen?
Der beste Test ist das Scannen unter realen Praxisbedingungen. IMMT organisiert Vorführungen von SHINING 3D- und RAY-Scannern und hilft Ihnen, die Konfiguration passend zu den Indikationen zu wählen, mit denen Sie am häufigsten arbeiten. Sehen Sie sich das gesamte Sortiment in der Kategorie Intraoralscanner an oder schreiben Sie uns, um eine Vorführung zu vereinbaren.
Häufig gestellte Fragen
Ersetzt ein Intraoralscanner konventionelle Abformungen zu 100 %?
Bei den meisten Indikationen ja. Ausnahmen sind tiefe subgingivale Präparationen mit Blutung und manche zahnlose Fälle: Hier sind Photogrammetrie oder eine ergänzende konventionelle Abformung die Lösung.
Wie lange dauert es, das Scannen zu erlernen?
Die Grundtechnik beherrscht ein Team in der Regel innerhalb weniger Tage. Volle Routine bei Ganzkieferscans und Implantaten stellt sich nach einigen Wochen regelmäßiger Arbeit ein.
Muss das Labor dasselbe System haben?
Nein, sofern der Scanner offene STL-/PLY-Dateien exportiert. Das sollten Sie vor dem Kauf klären.