2026-09-26

Chirurgisches Nahtmaterial in der Zahnmedizin: PGA, Rapid, Nylon oder Seide?

Autor: IMMT-Fachteam Veröffentlicht 6 min.

Chirurgisches Nahtmaterial in der Zahnmedizin: PGA, Rapid, Nylon oder Seide?

Bei der Wahl des chirurgischen Nahtmaterials in der Zahnmedizin sind vor allem zwei Fragen entscheidend: Soll sich der Faden selbst resorbieren, und wie lange braucht die Wunde mechanische Unterstützung? Resorbierbares PGA behält seine Reißfestigkeit über mehrere Wochen und wird innerhalb von 60–90 Tagen resorbiert, PGA Rapid in etwa 42 Tagen; Nylon und Seide sind nicht resorbierbar und werden nach der Wundheilung entfernt. Alle bei IMMT erhältlichen chirurgischen Nahtmaterialien von Luxsutures werden mit einer 3/8-Kreis-Nadel, umgekehrt schneidend, in 75 cm Fadenlänge geliefert – 12 sterile Einzelpackungen pro Box.

Vier Materialien – vier unterschiedliche Eigenschaftsprofile

Nahtmaterial Material und Aufbau Resorption und Reißfestigkeit Gewebereaktion Varianten bei IMMT
LUXCRYL PGA Polyglykolsäure, geflochten, beschichtet mit Polycaprolacton und Calciumstearat ~70 % Reißfestigkeit nach 14 Tagen, ~50 % nach 21 Tagen, ~20 % nach 28 Tagen; vollständige Resorption in 60–90 Tagen Resorbierbar, keine Fadenentfernung nötig USP 5/0 und 4/0, Nadel 19 mm
LUXCRYL PGA Rapid Polyglykolsäure, geflochten, beschichtet; schnell resorbierbare Version ~50 % Reißfestigkeit nach 7 Tagen; vollständige Resorption in ~42 Tagen Resorbierbar, keine Fadenentfernung nötig USP 4/0, Nadel 19 mm
LUXAMID Nylon (Polyamid), monofil Nicht resorbierbar; durch langsame Hydrolyse nur geringer Masseverlust pro Jahr Minimal; glatte Oberfläche, geringe bakterielle Anhaftung USP 3/0, Nadel 19 mm oder 24 mm
SILK BLACK Naturseide, geflochten, silikonbeschichtet, schwarz Nicht resorbierbar; Entfernung nach der Wundheilung Kann eine mäßige Gewebereaktion hervorrufen USP 3/0 und 2/0, Nadel 24 mm

Resorbierbar oder nicht resorbierbar?

Resorbierbare Fäden (PGA, PGA Rapid) sind praktisch, wenn ein Termin zur Nahtentfernung vermieden werden soll oder tiefere Schichten wie das Periost genäht werden. Laut Luxsutures ist PGA für die Adaptation innerer Gewebe vorgesehen, wenn ein resorbierbarer Faden benötigt wird, PGA Rapid dagegen für oberflächliche Haut- und Schleimhautwunden, die schnell heilen und nur kurzzeitig gestützt werden müssen.

Nicht resorbierbare Fäden (Nylon, Seide) behalten ihre Festigkeit über die gesamte Heilungsphase, und der Chirurg entscheidet selbst, wann sie entfernt werden. So lassen sich die Fixierung der Wundränder steuern und die Heilung beim Kontrolltermin beurteilen.

Monofil oder geflochten?

  • Monofil (LUXAMID) – die glatte Oberfläche des Einzelfadens gleitet reibungsarm durch das Gewebe, verursacht eine minimale Gewebereaktion und bietet Bakterien wenig Angriffsfläche. Der Knoten erfordert mehr Sorgfalt, da der glatte Faden rutschiger ist.
  • Geflochtene Fäden (PGA, Seide) – weicher, gut handhabbar, mit sicherem Knotensitz. Die Beschichtung (Polycaprolacton und Calciumstearat bei PGA, Silikon bei Seide) verbessert das Gleiten durch das Gewebe.

Was die USP-Stärke bedeutet

Die USP-Angabe beschreibt die Fadenstärke: Je größer die Zahl vor „/0“, desto dünner der Faden. Im Sortiment von IMMT vom dünnsten zum stärksten: 5/0 → 4/0 → 3/0 → 2/0.

  • 5/0 – der dünnste; geeignet bei dünnem Gewebe und wenn eine präzise Adaptation der Wundränder erforderlich ist.
  • 4/0 – universeller Faden mittlerer Stärke für Schleimhautnähte.
  • 3/0 und 2/0 – stärker; geeignet bei festerem Gewebe oder höherer Belastung der Naht.

3/8-Kreis-Nadel, umgekehrt schneidend

Alle vier Nahtmaterialien haben eine 3/8-Kreis-Nadel, umgekehrt schneidend (engl. reverse cutting). Die Schneidkante liegt auf der äußeren, konvexen Seite der Nadel, sodass sie auch festeres Gewebe wie die befestigte Gingiva leicht und gewebeschonend durchsticht. Die Nadellänge bestimmt die Manövrierfähigkeit: 19 mm ist bei beengten Platzverhältnissen und im Interdentalbereich handlicher, 24 mm fasst mit einem Stich mehr Gewebe.

Welcher Faden für welchen Eingriff?

Die endgültige Wahl hängt von der Erfahrung des Chirurgen, dem Gewebezustand und davon ab, ob der Patient zur Nahtentfernung kommen kann. Orientierungswerte auf Basis der vom Hersteller angegebenen Eigenschaften:

Eingriff Worauf zu achten ist Mögliche Luxsutures-Varianten
Zahnextraktion, Alveolennaht Ob ein Termin zur Nahtentfernung gewünscht ist; Schleimhautdicke SILK BLACK 3/0 oder 2/0 (gut sichtbar, sicherer Knoten), PGA Rapid 4/0, wenn keine Nahtentfernung erfolgen soll
Implantation Stabile Fixierung der Wundränder während der Heilung, Plaqueanlagerung LUXAMID 3/0 (monofil), LUXCRYL PGA 4/0
Lappenoperationen, parodontale Chirurgie Präzise Adaptation der Wundränder, dünnes Gewebe, tiefere Schichten LUXCRYL PGA 5/0 oder 4/0, LUXAMID 3/0
Knochen- und Weichgewebstransplantate Längere Unterstützung, minimale Gewebereaktion, spannungsfreier Wundverschluss LUXAMID 3/0, LUXCRYL PGA 5/0 oder 4/0

Naht und Blutstillung nach der Zahnextraktion

Nach einer Extraktion wird häufig ein blutstillender Gelatineschwamm in der Alveole belassen; die Naht hält ihn in Position und adaptiert die Schleimhautränder. Dabei kommt es auf gute Handhabung und einen sicheren Knotensitz an – beides gibt Luxsutures sowohl für die geflochtene Seide als auch für das geflochtene PGA an. Ist ein weiterer Termin zur Nahtentfernung für den Patienten ungünstig, wählen Sie eine resorbierbare Variante; möchten Sie die Heilung beim Kontrolltermin beurteilen und dann die Fäden entfernen, eignen sich Seide oder Nylon.

Häufige Fehler bei der Wahl des Nahtmaterials

  • Resorbierbarer Faden, wo lange Unterstützung nötig ist. PGA Rapid behält nach 7 Tagen nur etwa die Hälfte seiner Reißfestigkeit – er eignet sich für schnell heilende oberflächliche Wunden, nicht für belastete Lappen.
  • Zu starker Faden für dünnes Gewebe. Eine größere USP-Stärke bedeutet keine sicherere Naht – wählen Sie für dünnes Gewebe einen dünneren Faden.
  • Nicht eingeplante Nahtentfernung. Wenn Sie Nylon oder Seide verwenden, planen Sie den Kontrolltermin gleich mit ein.
  • Ungeeignete Nadellänge. Eine zu lange Nadel lässt sich im Seitenzahnbereich schlecht führen, eine zu kurze fasst nicht genug Gewebe.

Nahtentfernung und Kontrolle

Nicht resorbierbare Nylon- und Seidenfäden werden nach der Wundheilung zu dem vom Chirurgen festgelegten Zeitpunkt entfernt. Schwarze Seide ist gut sichtbar und daher leicht aufzufinden und zu entfernen, das glatte Nylon-Monofil lässt sich reibungsarm aus dem Gewebe ziehen. Resorbierbare Fäden müssen nicht entfernt werden, ein Kontrolltermin hilft dennoch, die Heilung zu beurteilen.

Praktische Checkliste

  • Entscheiden Sie, ob ein Termin zur Nahtentfernung geplant ist – falls nicht, wählen Sie einen resorbierbaren Faden.
  • Schätzen Sie ab, wie lange Unterstützung nötig ist: PGA Rapid für kurze Zeit (~50 % Reißfestigkeit nach 7 Tagen), PGA für längere (~70 % nach 14 Tagen).
  • Wählen Sie die USP-Stärke nach Gewebedicke: für dünneres Gewebe 5/0 oder 4/0, für festeres 3/0 oder 2/0.
  • Wählen Sie die Nadellänge nach Zugang: 19 mm bei beengten Platzverhältnissen, 24 mm für einen größeren Stich.
  • Sind minimale Gewebereaktion und geringe bakterielle Anhaftung wichtig, wählen Sie ein monofiles Nahtmaterial.
  • Halten Sie weiteres chirurgisches Zubehör bereit: blutstillende Gelatineschwämme und ein Irrigationsschlauch-Set für die Implantation.

Alle Nahtmaterialien finden Sie in der Kategorie Chirurgisches Nahtmaterial, Implantologie-Bedarf und Hämostyptika unter Implantologie und Verbandmaterial und Hämostyptika. Preise inkl. MwSt. finden Sie auf der jeweiligen Produktseite. Sie benötigen eine andere USP-Stärke oder Nadel? Kontaktieren Sie IMMT – wir beraten Sie und schlagen eine passende Lösung vor.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Resorption des PGA-Fadens?

Laut Luxsutures wird LUXCRYL PGA innerhalb von etwa 60–90 Tagen vollständig resorbiert; nach 14 Tagen bleiben etwa 70 % der Reißfestigkeit erhalten, nach 21 Tagen etwa 50 %, nach 28 Tagen etwa 20 %.

Worin unterscheidet sich PGA Rapid von herkömmlichem PGA?

PGA Rapid wird schneller resorbiert – in etwa 42 Tagen, nach 7 Tagen bleiben etwa 50 % der Reißfestigkeit erhalten. Es ist für oberflächliche Haut- und Schleimhautwunden bestimmt, bei denen eine kurzfristige Unterstützung ausreicht.

Was bedeuten USP 4/0 und 3/0?

USP gibt die Fadenstärke an: Je größer die Zahl vor „/0“, desto dünner der Faden. 5/0 ist also dünner als 4/0 und 4/0 dünner als 3/0 und 2/0.

Warum wird eine umgekehrt schneidende Nadel verwendet?

Bei der umgekehrt schneidenden Nadel liegt die Schneidkante auf der äußeren, konvexen Seite. Dadurch durchdringt sie dichtere Gewebe wie die Schleimhaut leicht und mit minimaler Traumatisierung.

Wird Seide in der Oralchirurgie noch verwendet?

Ja. Luxsutures empfiehlt Seidenfäden für die Oralchirurgie. Seide lässt sich gut handhaben, sorgt für einen sicheren Knoten und ist dank der schwarzen Farbe gut sichtbar. Seide ist nicht resorbierbar und kann eine mäßige Gewebereaktion hervorrufen, daher werden die Fäden nach der Wundheilung entfernt.

Wie viele Fäden enthält eine Packung?

Alle Luxsutures Nahtmaterialien im IMMT-Sortiment werden zu 12 sterilen Einzelpackungen pro Box geliefert, Fadenlänge 75 cm, mit angebrachter 3/8-Kreis-Nadel.